Startseite
  Über...
  Archiv
  Umzug in ein neues Leben (1. Teil)
  Umzug in ein neues Leben (2. Teil)
  Erfolg gleich Glück?
  Sometimes goodbye's a second chance
  Songtexte
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

   Mein Blog mit Kurzgeschichten

http://myblog.de/angi90

Gratis bloggen bei
myblog.de





Prolog:

Das Flugzeug erhob sich langsam in die Luft. Sie sah aus ihrem Fenster, der Flugplatz und die Häuser wurden immer wie kleiner.
Sie fragte sich noch einmal, ob es wirklich richtig war, machte das wirklich Sinn, wenn sie ging, alles hinter sich lies?
Doch energisch schüttelte sie ihre Zweifel aus ihrem Kopf, jetzt war sie unterwegs auf Kanada und es würde das Beste sein, für alle.
Die anderen konnten dann ihr Leben weiter leben, ohne sie immer wieder anzusehen und daran zu denken, was sie getan hatte. Konnten so tun als hätte es sie nie gegeben, als wäre sie nie in ihr Leben getreten. Sie hatte in der Clique ja eh nur Chaos angerichtet, da würden sie froh sein, wenn sie weg war und sie einfach in Ruhe liess.
Vor allem nach dem, was geschehen war, was sie getan hatte, was sie ihm angetan hatte.
Sie wusste, er würde sie nicht so schnell vergessen, aber er würde ihr auch nie verzeihen, was sie getan hatte.
Eine Träne floss über ihre Wange, sie wischte sie allerdings energisch wieder weg. Sie wollte jetzt nicht mehr weinen. Geweint hatte sie genug, bevor sie diesen Entschluss gefasst hatte.
Sie war jetzt auf dem Weg nach Kanada, in ein neues Leben, wollte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und alles vergessen was war.
Wollte nicht mehr daran denken, an dieses Gefühl, als er in der Tür gestanden hatte, an diesen enttäuschten Gesichtsausdruck, als er gesehen hatte, was sie getan hatte, wie ihn hintergangen hatte, mit wem sie ihn hintergangen hatte.
Sie war jetzt unterwegs um neues zu entdecken, neue Leute kennen zu lernen, das Leben zu geniessen.
Sie sah ein letztes Mal auf ihre Heimat, ehe das Flugzeug in den Wolken verschwand.
Das nächste was sie sehen würde, war ihre neue Heimat, wo sie neu anfangen konnte…

1.

„Hey Sina! Das ist ja eine Überraschung!“
Ich drehte mich um und erstarrte. Wie Wellen brachen Erinnerungen über mich herein, Erinnerungen an die Clique, an die vielen Erlebnisse mit ihr, an den Grund für meine plötzliche Flucht vor zwei Jahren…
Doch die junge Frau vor mir schien das nicht zu bemerken, denn sie fuhr einfach fort: „Wir haben uns ja einige Zeit nicht mehr gesehen. Du bist damals einfach so sang und klanglos nach Kanada abgehauen, früher als geplant und langer bist du ja auch geblieben, oder nicht? Wieso hast du dich den nicht gemeldet nachdem du zurückgekommen bist? Und wie geht’s dir eigentlich so?“
Ich atmete tief ein ehe ich antwortete, um die Bilder aus meinem Kopf zu verscheuchen: „Hi Chiara. Mir geht es soweit gut. Dir hoffentlich auch?! Ja, ich bin schlussendlich zwei Jahre geblieben, anstatt nur einem, wie geplant. Seit drei Wochen bin ich jetzt wieder zuhause“, ich stockte, dass ich mich nicht gemeldete hatte, weil ich angst vor den Reaktionen und auch vor meinen Gefühlen hatte, wollte ich ihr nicht unbedingt erzählen, und antwortete deshalb auf diese Frage ausweichend: „Ich hatte einiges zu tun, deshalb hatte ich mich nicht gemeldet.“
Vor meinem inneren Auge erschienen jetzt wieder Bilder aus vergangener Zeit, die ich in Kanada verdrängt hatte.
Chiara sah mich besorgt an: „Alles okay? Du siehst so komisch aus!“
In meinem Kopf formten sich viele Fragen: Wie es den Leuten aus der Clique ging? Wie sie damals reagiert hatten auf meine Flucht? Fanden sie mich damals feige? Sprachen sie ab und zu noch von mir? Hatten sich Basti und Janis wieder vertragen? War Basti über die Sache hinweg gekommen und war Janis immer noch so ein Frauenheld?
Aber keine der Fragen kam über meine Lippen, stattdessen sagte ich nur: „Ja, alles okay. Ich bin nur ziemlich überrascht dich zu treffen.“
Obwohl sie spüren musste, dass da noch mehr sein musste, liess sie das Thema.
„Sag mal, kommst du morgen Abend auch auf den Jahrmarkt?“, fragte sie.
„Ich weiss nicht.“
„Ach komm. Die anderen kommen auch, die freuen sich sicher dich mal wieder zu sehen und dann wird es wieder wie früher“, versuchte sie mich umzustimmen.
„Bist du sicher?“, zweifelte ich.
„Wieso denn nicht?“
„Vielleicht weil damals zu viel passiert ist?! Weil ICH zuviel Mist gebaut habe?! Ich habe mich ja nie richtig mit allen ausgesprochen, sonder bin einfach gegangen“, seufzte ich.
„Ach so“, antwortete sie langsam und schien sich zu erinnern, aber schnell wurde sie wieder lebhaft. „Ich denke, dass wird nicht so ein Problem sein. Basti war zwar am Anfang ziemlich betrübt gewesen, aber es ging ihm bald besser und seit einiger Zeit hat er wieder eine Freundin“, erzählte sie munter.
Obwohl ich mich für ihn freute, weil ich ihn damals ziemlich verletzt haben musste, spürte ich einen kleinen Stich als ich dies hörte, schliesslich waren wir vorher gut ein Jahr zusammen gewesen.
„Er und Janis haben sich auch ausgesprochen und sich wieder versöhnt. Janis ist übrigens immer noch derselbe Weiberheld wie früher. Schaffe es nicht länger als drei Monate mit einer zusammen zu bleiben und in dieser Zeit nicht fremd zu flirten. Und wenn er keine Freundin hat, schleppt er sowieso fast jedes Wochenende eine andere ab.“
Sie verdrehte die Augen und sah mich dann wieder fragend an: „Kommst du jetzt?“
Ich seufzte erneut: „ Ich weiss echt nicht, ob das so eine gute Idee ist, ich will nicht wieder alles durcheinander bringen und alte Geschichten aufwirbeln.“
„Wenn du nicht kommst, wirst du es nicht erfahren. Ich fände es jedenfalls schön, ich habe dich in diesen zwei Jahren manchmal echt vermisst und mich gefragt was du so treibst!“, erwiderte sie ungewohnt ernst.
Ich schluckte, ich hatte sie in Kanada manchmal auch ziemlich vermisst, weil wir uns vorher auch nebst den Cliquentreffen viel getroffen hatten und eigentlich so etwas wie beste Freundinnen gewesen waren. Aber da ich nicht gewusst hatte, wie sie damals über die ganze Sache und vor allem über mich gedacht hatte, hatte ich auch den Kontakt zu ihr abbrechen wollen und dieses Gefühl verdrängt.
Jetzt erinnerte ich mich an die vielen lustigen und schönen Erlebnisse mit ihr und musste lächeln. Sie schien dies als Zustimmung zu sehen und grinste ebenfalls: „In dem Fall hole ich dich morgen um 20:00 ab.“
„Ist gut!“, grinste ich zurück. Sie hatte die Eigenschaft gehabt, immer eine viertel Stunde, oder mehr, zu früh zu kommen und ich vermutete, dass sich dies nicht viel geändert hatte. Denn ich hatte mich in diesem Punkt auch nicht viel geändert, der Unterschied zu ihr war nur, dass ich immer zu spät kam.
Wir verabschiedeten uns voneinander und obwohl ich nicht wusste, was mich am nächsten Abend erwarten würde, freute ich mich irgendwie.

2.

Wie erwartet kam Chiara eine gute viertel Stunde zu früh. Ich hatte zwar diese Zeit eingerechnet, war aber trotzdem noch nicht bereit.
Während ich mich vor dem Spiegel schminkte, studierte Chiara die Fotos von Kanada, die als Collage an einer Pinnwand hingen.
„Hattest du da auch so etwas wie eine Clique?“, fragte sie neugierig.
„Ja. Ich habe ja in einem kleinen Hotel gearbeitet und der Sohn der Geschäftsführerin war ein Jahr älter als ich. Er und seine Leute haben sich von Anfang an um mich gekümmert und mich kurzerhand aufgenommen“, erzählte ich und musste lächeln bei der Erinnerung daran. „Verschiedener hätten die Personen echt nicht sein können. Aber eben, Gegensätze ziehen sich an und mit ihnen war immer etwas los gewesen.“
„Erzähl mal. Wie waren sie denn so?“
Erwartungsvoll sah sie mich an.
„Also, da gab es Jeff, der Sohn der Geschäftsführerin, der sich für alles interessierte das Räder und einen Motor hat, Alex, der immer irgendeinen Witz oder Spruch auf Lager hatte, Cat, die meistens ruhig und eher zurückhaltend war, Jenny, die das genaue Gegenteil war und gerne im Mittelpunkt stand und zum Schluss Mike, der auch eher ruhig war, aber jede Menge Unsinn im Kopf hatte. Wenn Jeff und er zusammen waren, konnte man sicher sein, dass sie wieder etwas ausheckten, womit sie sich einige Male Ärger eingehandelt haben“, erklärte ich.
Dann pinnte ich das Foto, auf dem ich Chiara die einzelnen Personen gezeigt hatte, wieder an.
„Und was habt ihr denn so alles unternommen?“, fragte sie sofort weiter.
„Verschiedenes, aber eigentlich nicht viel anderes als mit der Clique hier. Fast jedes Wochenende haben wir irgendwo Party gemacht. Und im Sommer gingen wir oft an einen nahegelegenen See, zum Baden und grillen oder fuhren zum zelten. Im Winter haben sie mir das Snowboarden beigebracht. Sie konnten fast nicht verstehen, dass ich zwar Ski fahren kann, boarden jedoch nicht. Und da sie alle boardeten, haben sie es mir kurzerhand beigebracht. So waren wir jedes zweite bis dritte Wochenende im Winter in den Bergen.“
„Ist ja cool. Und jetzt kannst du so richtig profimässig boarden?“, bewunderte sie mich fast.
Ich winkte ab: „Nicht wirklich. Sie haben zwar gemeint, ich hätte es ziemlich schnell gelernt und hätte Talent, aber ich bin froh wenn ich heil den Berg runter komme. Spass macht es allerdings, dass muss ich zugeben.“
Ich grinste und schnappte mir meinen Kajal wieder, um mich fertig zu schminken.
Sie stellte noch einige Fragen, die ich breitwillig beantwortete.
Schliesslich war ich auch fertig.
„So ich bin bereit, von mir aus können wir gehen“, ich lege meinen Kajal zurück und drehte mich zu Chiara um. Doch diese starrte ein Bild an, das an der gegenüberliegenden Wand hing und von einer meiner Zimmerpflanzen, die in den letzten zwei Jahren um einiges gewachsen war, halb verdeckt wurde.
Ich spürte einen Kloss im Hals und schluckte.
„Du hast das immer noch?“, fragte sie erstaunt, ohne jedoch den Blick von ihm zu lösen.
Ich sah das Bild ebenfalls an. Es zeigte unsere Clique, zu der ich kurze Zeit vor der Aufnahme dazugestossen war. Ich musste lächeln als mir auffiel, dass Janis und ich so weit wie möglich voneinander weg sassen. Wir hatten uns am Anfang nicht ausstehen können und damit die anderen manchmal ziemlich genervt mit unseren Streitereien. Niemand hätte da gedacht, am wenigsten wir selbst, dass wir uns mal besser als alle anderen kennen würden und beste Freunde sein würden. Nicht nur dass, für kurze Zeit waren wir sogar ein Paar gewesen, trennten uns dann aber wieder, weil es nicht ging. Was uns aber nicht davon abhielt, beste Freunde zu bleiben, auch wenn ich später mit Basti zusammen kam. Doch was waren wir jetzt? Ich wusste es nicht.
Wieder kam die Angst vor den Reaktionen zurück, aber Chiara lies mir keine Zeit um eine Ausrede auszudenken. Sie hatte sich wieder gefasst und schnappte sich jetzt meinen Arm um mich mit zu ziehen.
„Also, dann lass uns mal gehen, sonst warten die anderen schon!“
Das bezweifelte ich zwar, aber ich lies mich mitziehen, Widerstand wäre zwecklos gewesen.
Unterwegs erzählte sie mir, was bei ihnen so alles passiert war in den letzten zwei Jahren.
Ich hörte geduldig zu und es fühlte sich so vertraut an, fast so als wäre ich nur zwei Wochen weg gewesen.

3.

Am Treffpunkt war natürlich noch niemand aus unserer Clique, was aber auch nicht verwunderlich war, wir waren ja zu früh.
Aber wie Chiara war, fing sie sofort an zu schimpfen: „Wieder mal typisch! Können die nicht mal pünktlich sein?“
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen: „ Vielleicht liegt es daran, dass es erst fünf vor halb neun ist. Sie haben also noch einige Minuten Zeit um pünktlich zu sein.“
Sie verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse und murmelte etwas Unverständliches. Ich störte mich aber nicht daran und sah mich erstmal etwas genauer um.
Viel hatte sich hier auf dem Dorfplatz nicht geändert. Er war wie jedes Jahr festlich geschmückt und überall standen Marktstände, dazwischen Bars und Festzelte in denen die Vereine verschiedene Spezialitäten anboten.
„Hey, da kommen ja Sven und Anja, die ihren Freund dabei hat. Denn kennst du ja wahrscheinlich noch nicht“, sagte Chiara auf einmal und winkte in eine Richtung.
Tatsächlich entdeckte ich auf sofort Anjas blondes Haar, das näher kam. Kurz bevor sie bei uns waren, stupste Sven Anja an, sagte etwas zu ihr und dann sahen beide mich an. Während sich Svens Gesicht auf, verdüsterte sich das von Anja. Wieder spürte ich ein mulmiges Gefühl in meiner Magengegend. War es wirklich eine gute Idee gewesen mitzugehen?
„Hey Sina! Du bist ja wieder hier!“, rief Sven mir entgegen und strahlte.
Ich nickte verlegen: „ Ja, seit drei Wochen.“
Jetzt waren sie bei uns angekommen und er umarmte mich.
„Das ist echt cool. Schön dich mal wieder zu sehen. Du hast uns manchmal echt etwas gefehlt.“
„Gefehlt? DIE? Nach dem sie Basti mit seinem besten Freund betrogen hat?“
Anjas empörte Stimme lies meine Freude über das herzliche Wiedersehen mit Sven sofort wieder verpuffen. Traurig sah ich zu Boden. Mit Anja war ich nie wirklich gut ausgekommen, wir hatten zwar miteinander reden können, aber im Grossen und Ganzen waren wir uns eher aus dem Weg gegangen, weil wir uns auch schnell mal anzicken können hatten.
Jemand hatte mal gemeint, sie sei eifersüchtig, da ich mich so gut mit Janis und Basti auskam, obwohl ich als letzte in die Clique kam. Ich selbst hatte das mir das nicht so vorstellen können, da sie selbst, trotz ihrer Oberflächlichkeit, bei allen beliebt war. Nach mir waren wir einfach nicht auf derselben Wellenlänge.
Doch dass sie jetzt so reagierte und mich abwies, verletzte mich.
Ehe ich aber etwas erwidern konnte, hatte Sven schon das Wort ergriffen: „Was wärmst du alte Geschichten auf? Das ist doch jetzt egal!“
„Egal? Weißt du nicht mehr, wie es Basti danach gegangen war?“
„Ach Basti war dir doch immer egal, dir war doch Janis immer wichtiger! Du bist nur immer noch beleidigt, weil Janis nichts von dir wollte und sich mit anderen Frauen getröstet hat!“
Anscheinend hatte Sven damit ihren wunden Punkt getroffen, denn Anja verschränkte schmollend die Arme und warf ihm einen giftigen Blick zu.
Doch er war noch nicht fertig: „ Überhaupt hast du schon mal überlegt, wie sich Sina gefühlt haben muss? So ohne Grund ist sie sicher nicht einfach so still und heimlich abgehauen! Für sie war es sicher genauso hart!“
„Ach, das glaubst du doch selbst nicht! Die hat doch immer auf eine Gelegenheit gewartet, wieder etwas mit Janis anzufangen!“
Sie sah erst mich mit einem verachtenden und anschliessend Sven mit einem bösen Blick an, nahm ihren Freund bei der Hand und stolzierte, ihn im Schlepptau, davon.
Enttäuscht und verwirrt sah ich ihr nach.
„Ach, mach dir nichts draus! Du kennst sie ja und sie ist immer noch so, wie früher“, versuchte mich Sven aufzumuntern.
„Stimmt, sie ist und bleibt eine Zicke“, stimmte ihm Chiara zu.
Ich schluckte: „Aber was ist wenn die anderen auch so reagieren?“
„Das werden sie ganz bestimmt nicht oder hab ich auch so reagiert?“
Ich schüttelte den Kopf, dann fiel mir noch etwas ein: „Was hast du damit gemeint, als du gesagt hast, sie, also Anja, sei immer noch beleidigt?“
„Dass heisst, dass sie immer noch findet, das Janis und sie das Traumpaar wären. Mit dieser Meinung steht sie allerdings, damals wie heute, alleine da. Janis hat nämlich kein Interesse an ihr und lässt sie immer wieder abblitzen. Und genau das verträgt sie nicht. Ach ja, und jetzt wo du wieder da bist, ha sie wahrscheinlich Angst davor, dass du ihn dir wieder schnappst“, erklärte mir Sven geduldig.
„Aber sie hat ja einen Freund und damals hatte sie auch immer irgendeinen Typen mit dem sie zusammen war. Wieso sollte sie da Janis wollen?“, fragte ich verständnislos.
„Ich denke mal, sie hat die verschiedenen Freunde, weil Janis ja auch immer Affären hat. Naja, zudem stehen ja auch genug Jungs auf sie. Aber ich bezweifle, dass sie bis jetzt weiss, was Liebe eigentlich heisst, im Gegensatz zu Janis!“
Sven und Chiara tauschten einen Blick; ich konnte mir denken, was er bedeutete, ignorierte ihn aber. Darüber wollte ich jetzt nicht auch noch nachdenken; Anjas Verhalten genügte mir. Anscheinend sah sie in mir eine Art Bedrohung, damals wie heute.
Chiara lies mir aber nicht viel Zeit zum Nachdenken: „Hey, da kommen die anderen!“
Aufgeregt winkte sie in eine Richtung. Ich folgte ihrem Blick und sah eine Gruppe auf uns zukommen.
Vorne liefen Marc und Christoph, die lachend über etwas zu diskutieren schienen. Marc hatte ein Mädchen an der Hand, die wahrscheinlich seine Freundin war und amüsiert lachte. Ich erinnerte mich, dass sie mit ihren Freundinnen ab und zu in unserem Stammlokal gewesen war.
Hinter den dreien folgten Jan, Steffi und, Hand in Hand, wie ich staunend feststellte, Eva und Kim. Die beiden waren kurz vor meiner Abreise zusammen gekommen, aber niemand hatte daran geglaubt, dass sie lange zusammen bleiben würden.
Chiara lachte als sie meinen Blick sah: „Ich nehme an, du siehst Eva und Kim?“, auf mein Nicken hin erklärte sie: „ Sie können sich immer noch so gut streiten wie früher, aber sich anschliessend ebenso leidenschaftlich wieder versöhnen. Als wir mal beim Zelten waren, hat Janis sie dabei erwischt. Weitere Details lasse ich jetzt aus, kannst ja ihn selbst mal fragen.“
Sie grinste breit und ich grinste eben so breit zurück.
Ich brauchte Sven nicht zu fragen, denn ich hatte die beiden selbst mal überrascht, aber sie waren damals so beschäftigt gewesen, dass sie mich nicht mal bemerkt hatten, wie ich ins Zimmer platze und somit zum Glück auch nicht meinen roten Kopf, den ich gehabt haben musste.
Mein Blick wanderte wieder zur Gruppe. Mit etwas Abstand auf die anderen folgten nochmals zwei Personen. Der Junge legte gerade zärtlich den Arm um das Mädchen und zog sie zu sich, um ihr einen Kuss zu geben.
Mein Herz begann wie wild an zu Klopfen, da ich ihn sofort erkannte; Basti.

4.

Während ich zusah, wie Basti das Mädchen küsste, fragte ich mich, wie er wohl reagieren würde, wenn er mich sah. Es sah wirklich aus, als ob er wieder glücklich war. Aber würde er auch glücklich sein, mich wieder zu sehen?
Ich hatte mir vorher nur überlegt, wie die Clique allgemein reagiert, aber jetzt nach Anjas und Svens unterschiedlichen Begrüssungen hatte ich Angst vor der Begegnung mit Basti.
Zum Glück kamen die anderen vor ihm und lenkten mich ab. Die Reagierten nämlich ähnlich wie Sven und jeder wollte mich umarmen, fragten wie es mir gehe und ob ich schon lange wieder zurück sei.
Ehe ich mich aber versah, stand Basti vor mir. Es schien als würde die Welt für einen Moment still stehen. War sein Gesicht vorher noch entspannt und fröhlich gewesen, so war es jetzt starr und ausdruckslos. Aber seine Augen sagten mehr als genug aus.
Ich erkannte in seinem Blick dieselbe Mischung aus Überraschung, Fassungslosigkeit, Enttäuschung und Wut, wie an diesem Morgen als ich, nur in einem T-Shirt und Boxershorts von Janis bekleidet, mit verwuschelten Haaren und verschlafen, vor ihm gestanden hatte, nach dem ich auf sein Klingeln, stellvertretend für Janis, die Türe geöffnet hatte.
Er hatte damals sofort gewusst was geschehen war und ich war zu überrascht gewesen, um es zu leugnen.
Wahrscheinlich hatte er an dieselbe Szene gedacht, denn er verzog das Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse. Seine Freundin, die daneben stand und schon vorher nicht erfreut ausgesehen, sah sie mich jetzt wütend an. Sie musste wissen, wer ich war und was passiert war.

„Hi!“, versuchte ich den Anfang zu machen.
Basti nickte nur knapp, doch seine Freundin machte keine Anstalten mich zu grüssen. Sie starrte mich nur weiter feindselig an.
„Wie geht es dir?“, fragte ich ihn vorsichtig.
„Du fragst mich wie es mir geht? Welchen Zeitpunkt willst du wissen? Wie es mir ging nach dem ich dich mit Janis erwischt hatte? Wie es mir vorhin ging, als ich mit Katja hier hin gelaufen bin und gespürt habe, dass sie mich wirklich liebt und wie sehr ich sie liebe? Oder willst du wissen wie es mir jetzt gerade geht, nach dem ich der Person, die mich am meisten enttäuscht hat im Leben wieder gegenüberstehe?“, fragte er schroff zurück.
Ich zuckte zusammen.
Für eine Antwort liess er mir aber keine Zeit, er drehte sich einfach weg. Katja, seine Freundin, legte seinen Arm schützend um seine Taille und warf mir über die Schulter einen letzten Blick zu. Es war unschwer ihn zu deuten, sie sagte mir damit mehr als deutlich, dass sie nichts von mir hielt und fand sie sei die bessere Freundin für Basti.
Vielleicht hatte sie damit Recht, jedoch kannte sie meine Gefühle nicht, die ich Gefühlt hatte und die ich vielleicht noch jetzt fühlte.
Traurig sah ich ihnen zu, wie sie Sven und Chiara begrüssten und dann Arm in Arm davon liefen.
„Wo wollen denn die beiden hin?“, fragte Kim verwirrt.
„Sie haben keine Lust hier zu bleiben“, erklärte Sven und mit einem Seitenblick auf mich fuhr er fort: „Zu viele alte Erinnerungen.“

Ich seufzte und sah betreten zu Boden.
Ich bekam nur halb mit, wie die anderen diskutieren, wohin wir jetzt wollten, zu sehr beschäftigte mich Bastis Reaktion.
Auf einmal spürte ich eine Hand auf meiner Schulter.
„Alles okay mit dir?“
Chiara sah mich besorgt an.
„Klar.“
Ich versuchte zu lächeln, allerdings konnte ich sie nicht so schnell täuschen.
„Hey, er wird sich schon wieder beruhigen! Er war halt einfach nicht darauf vorbereitet, dich zu treffen“, versuchte sie mich zu trösten.
„Kommt eigentlich Janis auch noch?“, lenkte ich ab.
„Ja, so viel ich weiss schon. Aber ich weiss nicht wann. Er ist noch mit seiner Freundin unterwegs. Naja, vielleicht ist sie auch schon nicht mehr seine Freundin, falls sie dass von letzt Wochenende erfahren hat.“
Ich fragte nicht nach, was sie erfahren haben könnte. Ich konnte mir denken, dass er etwas mit einer anderen gehabt hatte. Ich machte mir mehr Gedanken darüber, wie seine Reaktion sein würde.
„Och, jetzt mach nicht so ein trauriges Gesicht!“, sie umarmte mich kurz. „ wir anderen freuen uns, dich wieder zu sehen und bei uns zu haben. Ich denke auch Janis wird erfreut sein. Erst kürzlich hat er gefragt, ob mal wieder jemand etwas von dir gehört hätte.“
„Echt?“
Erstaunt sah ich sie an.
Doch bevor Chiara aber antworten konnte, unterbrach uns Christoph: „Wie wäre es denn, wenn wir etwas zu trinken holen und uns zum Brunnen setzen würden und Sina von ihrem Aufenthalt in Kanada erzählen würde?“
Alle Blicke waren jetzt auf mich gerichtet.
„Naja, wenn ihr wollt, kann ich das schon. Aber ich weiss nicht, ob das so spannend ist?“, zweifelte ich.
„Also was du mir erzählt hast, war auf jeden Fall interessant“, fand Chiara sofort.
„Gut, dann würde ich vorschlagen, wir belagern sofort denn Brunnen, bevor uns noch jemand die besten Plätze wegschnappt!“, entschied Jan. „Wer holt was zu trinken?“
„Niemand. Ich habe zwei Flaschen Wodka dabei, das sollte für einige Zeit reichen“, grinste Sven. „Wusste ich doch, dass ich die nicht vergeben in meinen Rucksack packe und wir was zu feiern haben.“
Wir lachten und machten uns auf den Weg zum Brunnen. Ich fühlte, dass ich von ihnen wirklich wieder aufgenommen worden war.
Bei unserem Ziel angekommen machten wir es uns gemütlich und ich fing an zu erzählen, währen wir die zwei Flaschen im Kreis herumgehen liessen.

5.

Ich erzählte der Clique dasselbe, wie ich schon Chiara erzählt hatte und noch vieles mehr. Als mir langsam die Erzählungen von meinen Erlebnissen ausgingen, fingen die anderen mit erzählen an. Bei ihnen war in den zwei Jahren auch nicht gerade wenig passiert.
Schliesslich wurden die Gespräche allgemeiner, ich rückte mehr in den Hintergrund, was mir auch recht war. Lächelnd sass ich da und hörte mit einem Ohr Eva, die Steffi und Nina, Marcs Freundin, von ihrer Arbeit erzählte und mit dem anderen Christoph, Sven, Marc und Kim zum die über Sport diskutierten.
„Wie früher, nicht?“, fragte mich Chiara grinsend, die mich beobachtet hatte.
„Jep“, antwortete ich, auch wenn es sich nicht ganz so anfühlte wie früher: Basti und Janis fehlten.
Zum Glück hatte sich Chiara wieder weg gedreht, so bemerkte sie mein Seufzen nicht.
Ich fragte mich zum x-ten Mal, wie wohl Janis reagieren würde, wenn er auftauchte. Falls er überhaupt auftauchte, hiess das.
Vielleicht hatte Basti ihn schon über meine Rückkehrt informiert und die beiden waren jetzt zusammen unterwegs. Mit Janis hatte sich ja Basti wieder vertragen.
„Machen wir mal eine Bar unsicher? Die Vodka - Flaschen sind beide leer!“, unterbrach Marc meine Gedankengänge und hielt zur Bestätigung die Flaschen in die Höhe.
Zustimmendes Gemurmel war die Antwort, einer nach dem anderen stand auf und zusammen machten wir uns auf den Weg.

Ich fühlte mich wieder wie ein Teil der Gruppe, doch kaum hatten wir das Festzelt betreten, verschwanden die Personen alle in verschiedene Richtungen, die einen weil sie jemanden gekannt hatten und diese grüssen wollten, andere weil sie etwas zu trinken holen gingen.
Verloren blieb ich stehen und sah mich um. Zwar kannte ich auch ein, zwei Leute, hatte aber nicht das Bedürfnis, diese zu grüssen.
Schliesslich drängte ich mich durch die Menge zur Bartheke, um mir auch etwas zu trinken zu holen. Angekommen bestellte ich ein Vodka-Orange und nach dem ich bezahlt hatte, hielt ich Ausschau nach ‚meinen’ Leuten. Schnell entdeckte ich Christoph und Marc an einem Tisch stehen. So gesellte ich mich zu ihnen, was ich aber auch hätte lassen können. Die beiden diskutierten über ein Fussballspiel und nahmen nicht gross Notiz von mir. Es war aber immer noch besser als alleine herumstehen.
Ich lies meinen Blick über die Menge schweifen. Hie und da erkannte ich ein bekanntes Gesicht von früher. Bald war ich wieder in meinen eigenen Gedanken und überlegte, wen ich von wo kannte.
„Sina?“
Ich zuckte zusammen, diese Stimme kannte ich doch?!
Mit zittrigen Beinen drehte ich mich um, aber ehe ich Janis richtig ansehen konnte, umarmte er mich schon stürmisch. Total überrumpelt umarmte ich ihn auch und bemerkte nebenbei, dass er genau so roch wie damals. Ich sog seinen Duft ein. Es gab mir ein Gefühl von Geborgenheit, wie schon in dieser Nacht. Ehe ich es aber geniessen konnte, liess er mich wieder los.
Mit klopfendem Herzen stand ich ihm gegenüber und wir lächelten uns ungläubig an. Es schien, als wüsste er genau so wenig wie ich, was sagen.
Auf einmal tauchte ein Mädchen neben ihm auf. Ihr Blick wanderte misstrauisch von ihm zu mir und zurück.
„Oh! Darf ich vorstellen? Maddy, meine Freundin“, er zeigte auf das Mädchen und ich nickte ihr grüssend zu. „Und das ist Sina, meine…“, er stockte, „beste Freundin.“
Er zeigte auf mich.
„Ich bin nach allem immer noch deine beste Freundin?“
Ich sah ihn ungläubig an. Gegensätzlicher hätten die Reaktionen der Freunde nicht sein können!
Ein ungewohnt verlegenener Ausdruck kam auf sein Gesicht: "Naja, also wenn es für dich nicht mehr stimmt… Aber meine Einstellung dir gegenüber hat sich nicht geändert. Du bist meine beste Freundin und es müsste schon einiges mehr passieren, damit sich das ändert!“
Es tat gut, das zu hören.
Ich sah ihn dankbar an und grinste verlegen.
Am liebsten hätte ich ihn noch einmal umarmt, traute mich allerdings nicht.
Er schien dies zu spüren und stichelte: „ Bist du in Kanada schüchtern geworden? Sonst warst du doch nie so zurückhaltend?!“
Ich lachte, aber ehe ich antworten konnte, lag ich wieder in seinen Armen.
Ich roch erneut sein Deo und musste mich zusammenreissen, um nicht geniesserisch die Augen zu schliessen. Was allerdings gar nicht so einfach war, da zudem mein Herz wieder ziemlich klopfte.
Mir gelang es, meine Gefühle unter Kontrolle zu behalten und als wir uns wieder von einander lösten, war ich äusserlich total gelassen.
Innerlich war allerdings ein riesiges Chaos und meine Gefühle spielten immer noch verrückt.
Maddy hatte sofort den Arm um Janis gelegt und sah mich eifersüchtig an.
Ich kannte diesen Blick nur zu gut. Fast alle von Janis Freundinnen oder Verehrerinnen hatten mich als Konkurrenz gesehen, bis sie gemerkt hatten, dass ich mit Basti zusammen war.
In der kurzen Zeit vorher, als Janis und ich ein Paar gewesen waren, hatte ich natürlich auch einige solcher Blicke erhalten, allerdings hatte er mir da auch oft genug Anlass gegeben, eifersüchtig zu sein, weshalb wir uns auch wieder getrennt hatten.
Daran wollte ich aber nicht denken, deshalb verscheuchte ich diese Gedanken, ignorierte Maddys Blick und konzentrierte mich hauptsächlich auf Janis.

6.

„Und wie geht’s dir so?“, fragte mich Janis schliesslich.

„Gut“, antwortete ich lächelnd, „und dir?“

„Das glaube ich dir aber nicht ganz“, er lies sich nicht so schnell täuschen.

„Naja, nur wegen Basti. Er war nicht gerade begeistert mich zu sehen. Und Anja hat mich auch nicht mit offenen Armen empfangen.“

„Über Anja muss du dir keine Gedanken machen. Die zickt im Moment eh jeden an und hat überall etwas auszusetzen. Und gut seit ihr ja eh nie miteinander ausekommen.“

Er grinste als wäre ihm gerade etwas Lustiges eingefallen. Ich wollte schon fragen, was so lustig sei, da fuhr er fort, diesmal wieder ernster: „Basti musst du einfach Zeit lassen. Mit mir hat er am Anfang auch kein Wort geredet und ich dachte schon, die Freundschaft sei zerbrochen. Doch mit der Zeit ist er aufgetaut und wir konnten wieder offen miteinander reden.“

An dieses Gespräch dachte er allerdings wahrscheinlich nicht gerne zurück, denn er verzog das Gesicht zu einer Grimasse.

„Naja, ich weiss nicht. Was wenn nicht? Verübeln kann ich es ihm nicht, schliesslich bin ich damals abgehauen.“

„Etwas dass ich auch gerne gemacht hätte, wenn ich ehrlich bin. Aber er kann auch nicht vergessen, was ihr alles zusammen erlebt habt. Wie gesagt, lass ihm Zeit! Und auch wenn er im Moment nicht so begeistert ist, dich zu sehen, ich bin es! Ich freue mich total, dass du wieder da bist!“

Er lachte mich an und ich sah das Funkeln in seinen Augen, das mir damals am See das erste Mal aufgefallen war.

In mir fing es wieder an zu kribbeln und mein Herz klopfte schneller als ich es erwiderte.

„Mir geht es übrigens gut!“, beantwortete er meine Frage, die ich ihm vorher gestellt hatte.

Noch immer sahen wir uns an…

„Hey Janis. Da bist du ja! Und wie ich sehe, hast du Sina auch schon getroffen“, stellte Chiara fest, die auf einmal neben uns stand.

„Ja, habe ich“, strahlte er sie an und begrüsste sie mit drei Küssen auf die Wange.

„Hat sie dir schon von Kanada erzählt?“, fragte sie ganz neugierig. „Sie hat dort echt eine hammer Zeit verbracht.“

„Nein, sie hat mir noch nichts erzählt. Dazu sind wir noch nicht gekommen.“

Er lächelte mir zu.

„Aber das können wir ganz gut ändern. Ich bin nämlich recht gespannt, was du alles zu erzählen weißt. Hast du noch Lust zu erzählen? Oder möchtest du lieber feiern?“

Janis sah mir fragend an.

„Klar habe ich Lust. Feiern können wir später immer noch.“, lachte ich.

„Und was ist mit mir?“

Maddie, die bisher still zugehört hat und mich mit eifersüchtigen Blicken taxiert hatte, sah ihn jetzt schmollend an.

„Du kannst ja auch zuhören. Interessant ist es auf jeden Fall“, antwortete ihr Janis unbekümmert.

Maddie sah nicht sehr begeistert aus, als mich Janis dann aber wieder anlachte, willigte sie ein. Denn bösen Blick, den sie mir wieder zuwarf, ignorierte ich, wie schon die letzten. Ich hatte keine Lust mir die Laune von ihr verderben zu lassen.

Wir holten uns etwas zu trinken und setzten uns draussen auf eine Bank.

Ich erzählte von der Clique, von meinen Erlebnissen, der Landschaft und den Leuten allgemein. Ab und zu holte ich mein Handy hervor und zeigte Fotos.

„Diese zwei Jahre müssen echt genial gewesen sein“, stellte Janis fest, als mir die Geschichten ausgingen.

Er grinste mich an und wieder bemerkte ich das Funkeln in seinen Augen.

Mir war nie aufgefallen, dass er jemand anderen mit diesem Funkeln in den Augen angesehen hatte. Es schien, als würde er nur mich mit diesem ‚funkelnden’ Lachen anlachen, was mich verwirrte, damals wie heute.

Ich nickte deshalb nur.

Schweigend sassen wir nebeneinander. Maddie war es nach einiger Zeit zu langweilig geworden und wieder in die Bar verschwunden. Ich hatte mich zwar gewundert, dass sie uns alleine liess, allerdings störte es mich nicht gross, wenn sie nicht dabei war.

„Möchtest du noch einen Drink?“

„Danke, ich habe noch“, lehnte ich ab.

Wieder war es still zwischen uns. Gedämpft hörten wir die Musik und die Stimmen. Es wurde gerade ein alter Partyhit gespielt und viele grölten mit.

„Ich habe dieses Lied immer gehasst, aber in Kanada habe ich es manchmal fast vermisst!“

Ich lächelte nachdenklich.

„Ich kann mir genau vorstellen wie Sven und Christoph jetzt mitmachen.“

Janis lachte: „Wahrscheinlich nicht nur die beiden. So wie es klingt ist es das ganze Zelt.“

Das Lied war zu ende und ein andere Song wurde gespielt, der eben so Anklang fand.

„Hast du eigentlich auch sonst noch etwas vermisst, nebst diesem Partyhit?“, fragte Janis ganz plötzlich.

Ich zuckte zusammen. Darüber sprach ich nicht gerne, es gehörte zu diesen Gefühlen, die ich verdrängt hatte.

Zögernd antwortete ich: „Naja, ich habe halt einfach alles hier manchmal etwas vermisst…“

„Aha.“

Er schwieg wieder, so wie ich auch, obwohl in mir ein Chaos herrschte. Er hatte einen wunden Punkt getroffen. Die Gefühle aus der Anfangszeit in Kanada drängten langsam wieder nach vorne. Das schlechte Gewissen gegenüber Basti, den ich betrogen hatte, dem ich nichts von meinen wahren Gefühlen erzählen konnte und denn ich einfach zu zurückliess, die Ungewissheit, was alle von mir dachten, ob sie mich versuchten zu verstehen, und schliesslich die Gefühle für Janis, von denen niemand etwas gewusst hatte, nicht einmal er.

Ich seufzte: „Ich habe manchmal einfach alles hier vermisst, die Leute, die Stimmung, die Stadt, die Clique, dich…“




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung